umstieg von windows zu mac - ein erfahrungsbericht

"Nein, ich will kein Windows Vista, und die Thinkpads sind auch nicht mehr das was sie einmal waren". So begann ich im Frühjahr 2007 mit der Evaluation eines neuen Laptops. Durch Zufall begeisterte mich ein Arbeitskollege mit seinem MacBook. Zuerst dachte ich: nun, hübsch sieht Mac OS X ja aus, doch eignet sich dieses Betriebssystem wirklich für den Einsatz in einer Windows dominierten Business-Welt? Und laufen alle meine bisherigen Programme denn auch weiter?

Im Juni 2007 habe ich es, nach gründlichen Abklärungen gewagt: Ich habe mein erstes MacBook Pro gekauft. Edles Alu Gehäuse, Intel Core Duo 2, 2.4 GHz, 4 GB RAM, 250 GB Harddisk, 17 Zoll Display mit 1920 x 1200 Punkten Auflösung. Und dies habe ich in keiner Weise bereut. Hier möchte ich euch meine Erfahrungen mit dem Umstieg berichten.

Mac OS X

Mac OS X ist das geniale Betriebssystem! Es vereint die beiden Welten, die ich schon seit vielen Jahren benutzte, doch immer auf zwei verschiedenen Plattformen. Nämlich einmal, eine schöne, ausgereifte Benutzeroberfläche, sehr ähnlich wie sie bei Windows auch anzutreffen ist, nur noch um einiges einheitlicher, und einfacher zu bedienen. Und zum Anderen Unix, wie ich es seit der Geburtsstunde von Linux immer auf meinem Rechner betrieben habe, doch diesmal nicht als Virtuelle Maschine, oder als Dual Boot, sondern voll integriert im Betriebssystem. Mac OS X ist ein vollwertiges Unix, mit einer wunderschönen Bedieneroberfläche (dies hat Linux bis heute noch nicht, trotz KDE und Gnome).

Als Techie sehe ich in Mac OS X natürlich noch zahlreiche weitere Vorzüge: vollwertiges 64 bit Betriebssytem, die 4 GB RAM in meinem MacBook Pro kann ich voll einsetzen, mit dem Journaling Filesystem ein sehr schnelles und sicheres Filesystem. Weiter benutze ich sehr oft Spotlight, um eine beliebige Datei, ein Mail, einen Song, ein Programm, ein Bild, was auch immer, blitzschnell mit der Eingabe eines Namens oder darin enthaltenen Begriffes auzufinden und zu öffnen. Klar, das gibt es für Windows auch, doch dort ist es um einiges langsamer, und bei weitem nicht so gut integriert.

Ein weiterer Vorzug von Mac OS X ist die volle Integration von Tastaturbefehlen. Sehr viele Kommandos können darüber effizient verrichtet werden.

Weitere Vorzüge von Mac OS X, auf die ich nicht mehr verzichten möchte: Spaces, ein virtueller Desktop; Dashboard, nützliche Widgets; Dictionary, Oxford Dictionary; Suchfunktionen, in allen Programmen integriert; Rechtschreibeprüfung, ebenso überall integriert; Adressbook; und viele mehr.

Programmvielfalt

Ich war geradezu überrascht, wie zahlreich das Angebot an Software für den Mac ist. Dies lag sicher an meiner Ignoranz an dieses Betriebssystem, dass ich gar nicht bemerkte, wieviele Programme auch für den Mac verfügbar sind. Hier eine kurze Auswahl, was ich so alles unter Windows und nun ebenso unter Mac OS X einsetze:

Software Verfügbar für Mac OS X
Acrobat Reader ×, oder Preview, Teil von MAC OS X
Audacity ×
Filezilla, FTP ×
Firefox ×, oder Safari, Teil von Mac OS X
Gimp, Open Source Alternative zu PhotoShop als X11
Google Earth ×
iTunes Teil von Mac OS X
Mail iMail, Teil von Mac OS X
OpenOffice/NeoOffice als X11 und native
Palm Software ×
PhotoShop ×
Quicktime Teil von Mac OS X
PDF writer Teil von Mac OS X
Photo Verwaltung iPhoto, Teil von Mac OS X
Skype ×
VLC ×
XAMP MAMP
Zattoo ×

Eine sehr umfassende Sammlung von Mac-Software finden sie unter http://www.pure-mac.com/

Unix Software

Mac OS X beinhaltet selbst schon alle Unix Commandline Programme, die das Unix Herz begehrt. Dazu kommen noch praktisch alle Debian Linux Pakete, die sich automatisch mittels dem Programm Fink Commander installieren und auch aktualisieren lassen. Auch mit dabei ist ein X11 Server. So lassen sich zahlreiche X-Windows Programme direkt unter Mac OS X ausführen.

VMWare für reine Windows Programme

Es gibt nur ganz wenige Programme, die ich nur unter Windows betreiben kann. Dazu gehört der IBM Rational Application Developer, und bei gewissen Dokumenten Microsoft Office 2003. Ich habe VMWare Fusion unter Mac OS X installiert, und darin ein Windows XP. So laufen diese Programme tadellos, und ohne bemerkbare Leistungseinbusse. Aus VMWare habe ich vollen Zugriff auf das Mac Filesystem, das Netzwerk, Drucker, USB Drives, Sound, Clipboard, Files per Drag and Drop kopieren.

Office Kompatibilität

Um Word Dokumente zu lesen und einfache Word Dokumente zu erstellen ist in Mac OS X ein Programm namens TextEdit integriert. OpenOffice bzw. NeoOffice läuft auf dem Mac, und gibt eine weitreichende Kompatibilität mit Microsoft Office. PowerPoint ist am wenigsten kompatibel mit OpenOffice. Da nutze ich dasjenige von Mac Office 2004. NeoOffice unterstützt auch die neuen Dateiformate von Office 2007.

Entwicklungstools

Natürlich gibt es für Mac OS X auch Java, und Eclipse. Beides funktioniert hervorragend. Dazu wird mit der Mac OS X DVD eine komplette Entwicklungsumgebung namens XCode ausgeliefert, mit welcher Mac OS X Software mit allen möglichen Programmiersprachen entwickelt werden kann.

Mac OS X enthält einen Apache Http Server. Tomcat und JBoss laufen prima. Für den IBM Rational Application Developer und WebSphere Application Server benutze ich VMWare mit Windows XP. Ich habe überhaupt keine Performanceeinbusse damit, und die Entwicklungsumgebung läuft ohne Beanstandungen damit. Wichtig ist zu beachten, dass der Workspace auf einem Windows Drive innerhalb VMWare angelegt wird, und nicht über einen gemounteten Drive unter Mac OS X, da sonst die Performance massiv verlangsamt wäre.

iLife

iLife wird mit Mac OS X als vollwertige Programmesuite installiert und ausgeliefert. Darin sind wirklich hübsche Programme enthalten, für welche ich zuvor immer wieder Geld ausgegeben habe, um mir irgend ein Shareware Tool zu kaufen, ganz abgesehen von doch recht teueren Softwarelizenzen. Zu iLife gehören die folgenden Programme:

iMail Sehr funktionales Mail Programm, übertrifft Outlook
iPhoto Effiziente Bildverwaltung mit einfachen, praktischen Bearbeitungsfunktionen. Wunderschöne Slideshows können erstellt werden.
iMovie Filmbearbeitungsprogramm, ausreichend für gelentlichen Gebrauch.
iChat Mein liebstes Chatprogramm, sehr schön gestalteter Output, mit Rechtschreibeprüfung
iDVD DVD Player
iWeb Web Pagedesigner und Seitenverwaltung. Bestens geeignet um eine private Homepage damit zu erstellen.
Photo Booth Zum Erstellen von Fotos mit der iSight Kamera der Macs.
Comic Life Lust einen Comics zu erstellen? Dann los.

Netzwerk

Die Integration eines Macs mit Windows Netzwerken verläuft problemlos. Die Domänserver werden automatisch erkannt, und können ähnlich wie mit Windows verbunden werden. Auch WLAN, und mein Huawai UMTS Modem ging reibungslos in Betrieb. Internet über ein Handy ist ebenso möglich. Doch da musste ich zuerst einige Treiber aktualisieren.

Gadgets und Peripherie

Die Synchronisation mit meinem Palm verrichte ich mit Hotsync, die mit meinem Handy (Sony Ericson K800i) mit iSync, welches zu Mac OS X gehört. Scanner (HP Scanjet), Netzwerkdrucker (Brother) und HP Deskjet, ohne Probleme, auf Anhieb. Mit der Projektion über verschieden Beamer hatte ich zu Beginn massive Probleme, da ein Softwarefehler im Grafiktreiber meines Mac Book Pro mit NVIDIA GeForce 8600M GT bestand. Dies führte beim Einstecken des Beamers zu zahlreichen Freezes. Glücklicherweise wurde dieses Problem nach ein paar Wochen zuverlässig durch einen Betriebssystem Update behoben. Nun kann ich einen Beamer wunderbar über den externen Grafiikausgang einbinden.

Second Life

Mit Second Life hatte ich die grössten Probleme mit dem MacBook Pro. Dies lag daran, dass mein MacBook Pro als erste Serie Grafikkarten von NVIDIA einsetzt, und die Treiber leider noch nicht ausgereift waren. Durch die hohen Anforderungen an die Grafikarte kam es nach einigen Minuten zuerst zu einer Verlangsamung des Systems, mit einigen kurzen Freezes, und dann zum kompletten Einfrieren des Betriebssystems. Mittels Dualboot unter Windows XP lief Second Life von anfang an ohne Probleme. Ein Workaround wurde schnell bekannt, nämlich die Verwendung des OpenGLProfilers (aus dem XCode Entwicklungsset), mit einer anderen Grafikarte, welche dann emuliert wurde. Es lief nun zwar alles stabil, aber sehr langsam. Nach langem warten kam nun endlich Mitte Februar 2008 ein Grafikupgrade heraus, mit welchem die Grafikkarte nun ihre volle Leistung erbringt. Nun ist die Benutzung von Second Life unter Mac OS X mit guter Performance und Stabilität möglich.

Was ich vermisse

Sicher, es gibt auch Dinge, die ich auf meinem MacBook Pro vermisse, welche ich auf dem Thinkpad mit Windows zuvor hatte, oder die ich praktischer fand. Nicht viele, doch die folgenden:

Den Trackpoint
Diesen empfand ich lange effizienter als ein Touchpad. An festen Standorten verwende ich immer eine externe Maus. Die Apple Mighty Mouse ist hingegen ein Traum
Den Fingerprint Reader
Dieser ist zwar offenbar gar nicht so sicher, wie behauptet (siehe Artikel in c't), doch praktisch war er schon.
Die lange Akkulaufzeit
Diejenige des MacBook Pro liegt bei mittelstarkem Gebrauch (z.B. beim Software-Entwicklen) ungefähr bei 2.5 Stunden. Mit dem Thinkpad und einer zweiten Batterie in der Ultrabay lag die Laufzeit bei 3.5 Stunden.
Die Tastatur
Daran musste ich mich am Meisten gewöhnen. Diejenige des MacBook Pro ist sehr weich, mit kurzem Weg. Beim Thinkpad lag der Druckpunkt deutlich fester. Nun habe ich mich relativ gut adaptiert, und auch der Fehler des manchmal verloren gegangenen ersten Zeichens ist behoben.
Die Tastaturbelegung bei Windows über VMWare
Die Mac Tastaturen haben eine zusätzliche Command Taste (die mit dem Apfel). Die Tastenbelegung unter Mac OS X ist sehr praktisch. Hingegen braucht es beim Benutzen von Windows unter VMWare immer ein Umdenken, da dort die Belegung wie auf dem PC vorliegt, und so die Alt und Ctrl Taste um eine Position verschoben sind. Ebenso die Klammern und Sonderzeichen sind anders zu benutzen als unter Mac OS X. Dieses Training fördert sicher eine geistige Fitness :-)


Tagged:  
In der Zwischenzeit sind nun alle meine Einschränkungen behoben:
  1. Die Tastaturbelegung lässt sich mit der aktuellen Version von VMWare Fusion beliebig konfigurieren.
  2. Apple bzw. NVIDIA haben seit längerem aktualisierte Grafiktreiber geliefert, so dass die Grafikleistung in keiner Weise mehr Windows nachsteht.
  3. An die Tastatur habe ich mich hervorragend gewöhnt

    Vielen Dank für deinen Beitrag. Du hast mir genau die Fragen beantwortet welche mich bis anhin noch beschäftigten. Nun steht einem Kauf eines Mac's nichts mehr im Weg. :-)

    Sehr interessant Dein Bericht (und fast auch ein wenig euphorisch :-)
    Hat mich aber auf jeden Fall "gwundrig" auf MAC's gemacht.

    Darum auch die folgenden Fragen dazu.....
    - Wie sieht es für "normale" User aus (also solchen Leuten die nicht über ein enormes IT Wissen wie zB. Du verfügen) ?
    - Muss man etwas Unix/Linux Fan sein und auch die nötigen Befehle kennen oder kommt man auch bei etwas komplexeren Aufgaben ohne Eingaben im CommandLine aus?
    - Was ist mit all den speziellen Einstellungen aus der Windows Registry? Wo sind diese beim Mac zu finden und kann man diese auch anpassen ohne Doktor Titel?

    Danke und Gruss
    RobHimself

    Hi RobHimself,

    Du hast recht, ich bin immer noch sehr euphorisch vom Wechsel zum Mac, und dies nach 8 Monaten jeden Tag.

    normale User
    Der Bericht ist natürlich schon etwas durch eine Technie-Brille gefärbt. Natürlich sind Macs besonders benutzerfreundlich, und dies schätze ich auch sehr. Manchmal ertappe ich mich selbst, wie ich nach einer Option oder einem Feature suche, dabei ist die Lösung völlig trivial. Ein Beispiel: Wie schalte ich die eingebaute Kamera wieder aus? Ganz einfach, das Fenster schliessen, welches die Kamera aktiviert hat.
    Unix wissen
    Nein, überhaupt nicht. Ich kenne viele Mac user (und es werden immer mehr), die wissen überhaupt nicht, dass man Unix Befehle benutzen kann. Das darunterliegende Unix ist sehr schön versteckt. Man bemerkt es überhaupt nicht, wenn man nicht danach sucht, und braucht es auch nicht, ausser man ist Entwickler und hat dies gerne
    Windows Registry
    Gutes Stichwort. Dies gibt es zum Glück hier nicht. Wenn Du eine Software installierst, dann kopierst Du genau eine Datei in deinen Applikationsordner. Fertig, sonst gar nichts. Und wenn du die Applikation wieder löschen willst, so löschst Du genau diese Datei wieder. Und fertig, keine DLLs schwirren im System32 Directory herum, keine Registry füllt sich immer wie mehr!! Und du hast auch nicht dutzende von msi Brocken rumliegen, von jedem Update eine. Auch ein Upgrade auf eine neue Betriebssystemversion geht automatisch, ohne Neuinstallation. Bei mir war die neue Version Leopard innerhalb einer Stunde vollautomatisch installiert. DVD rein, warten, und alles läuft wie zuvor!